Betreuungsstationen an Belastungsgrenze: S.O.S. für Schlangen und Schildkröten

Betreuungsstationen an Belastungsgrenze: S.O.S. für Schlangen und Schildkröten

Hannover. Die Haltung nicht-heimischer Tiere wie Schlangen, Papageien oder Schildkröten ist anspruchsvoll und mit hohen Kosten verbunden. Herausforderungen, die viele private Halterinnen und Halter unterschätzen und schnell überfordern. Es kommt deshalb immer häufiger dazu, dass Tiere ausgesetzt werden. Ein Problem, das auch in Niedersachsen leider zunimmt. Anlässlich des „Welttierschutztags“ am 4. Oktober 2023 weist der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) auf die Bedeutung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Haus- und Wildtieren hin und macht darauf aufmerksam, dass viele ehrenamtlich arbeitende Betreuungsstationen in Niedersachsen an ihre Belastungsgrenzen stoßen.

Die Beliebtheit nicht-heimischer Tiere als Haustiere nimmt stetig zu. Doch viele Halter sind sich leider nicht über die langfristigen Anforderungen und Risiken im Klaren. Dr. Mirja Püschel, Mitarbeiterin im Bereich „Internationaler Artenschutz“ im NLWKN, betont die Notwendigkeit einer intensiven Auseinandersetzung mit den Tieren, bevor man sich für ihre Aufnahme entscheidet. Das umfasst die Kenntnis der Art, der Haltungsanforderungen, der Bedürfnisse, möglicher Krankheiten und der zu erwartenden Kosten über die gesamte Lebensspanne. Auch die Besitz- und Vermarktungsverbote für besonders geschützte Arten sollten nicht außer Acht gelassen werden. Andernfalls kann die Haltung und Pflege schnell zu anspruchsvoll oder kostspielig werden, was leider dazu führt, dass Tiere ausgesetzt werden – eine Handlung, die gemäß dem Tierschutzgesetz verboten ist.

Die Konsequenzen dieses unverantwortlichen Verhaltens müssen von den 16 ehrenamtlich arbeitenden Betreuungsstationen in Niedersachsen aufgefangen werden, mit denen der NLWKN eng zusammenarbeitet. Diese Stationen setzen sich dafür ein, die ausgesetzten Tiere aufzunehmen und angemessen zu versorgen. Jedoch stoßen sie dabei an ihre räumlichen und personellen Grenzen. Dr. Florian Brandes, Fachtierarzt und Leiter der Wildtier- und Artenschutzstation in Sachsenhagen, veranschaulicht dies anhand von Zahlen: Vor zehn Jahren wurden jährlich etwa 2000 Tiere betreut. Mittlerweile sind es regelmäßig mehr als 3000 Tiere im Jahr. Dabei nimmt die Zahl der betreuten Reptilien einen immer höheren Stellenwert ein. Neben den heimischen Arten wie Singvögeln, Eichhörnchen oder Igeln, die auf eine Auswilderung abzielen, benötigen nicht-heimische Haustiere wie Schlangen, Schildkröten oder Papageien eine dauerhafte Unterbringung. Diese Tiere blockieren Kapazitäten, die sonst für weitere hilfsbedürftige Pfleglinge zur Verfügung stehen könnten.

Die dramatischen Ausmaße des Aussetzens nicht-heimischer Tiere werden anhand von jüngsten Vorfällen im Landkreis Emsland deutlich. Im August 2023 wurden dort zehn Königspythons entdeckt, eine Schlangenart, die in unseren Breitengraden nicht überleben kann. Die Betreuungsstation im Tierpark Nordhorn nahm die Tiere auf, geriet dabei jedoch an ihre Kapazitätsgrenzen. Dr. Heike Weber, Fachtierärztin des Tierparks Nordhorn, berichtet von den traurigen Realitäten: „Die Tiere waren bei den Temperaturen recht träge. Eine Schlange war bereits verstorben, als sie bei uns abgegeben wurde, eine zweite verstarb nach wenigen Tagen in der Quarantäne.“ Dies sind keine Einzelfälle, sondern wiederholen sich bedauerlicherweise oft. Im August 2022 wurden beispielsweise 19 junge Griechische Landschildkröten in einem privaten Briefkasten in Uchte ausgesetzt. In anderen Fällen fand man eine Kornnatter in einer Plastikbox in Winzlar und zwei weitere Kornnattern direkt im Wald vor der Wildtierstation Sachsenhagen.

Der „Welttierschutztag“ dient als wichtige Erinnerung daran, dass unsere Gesellschaft eine erhebliche Auswirkung auf unsere Umwelt und unsere tierischen Mitbewohner hat. Dr. Mirja Püschel appelliert an alle, sich aktiv für den Schutz von Tieren einzusetzen und verantwortungsvolle Entscheidungen im Umgang mit Haustieren zu treffen. Nur so können wir gemeinsam dazu beitragen, die traurige Realität des Aussetzens nicht-heimischer Tiere zu verhindern und das Wohl der Tiere zu gewährleisten.

 

Image by Uschi Dugulin from Pixabay
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