Noch vor wenigen Jahren galt es als absolut normal, seinem Hund oder seiner Katze industriell gefertigtes Futter vorzusetzen, doch heute wollen immer mehr Tierhalter ganz genau wissen, was bei ihren vierbeinigen Freunden im Napf landet. Denn nicht nur wir fühlen uns besser, wenn wir uns gesund ernähren, auch Hunde und Katzen profitieren davon, artgerechtes Futter in einer artgerechten Portion serviert zu bekommen.
Herkömmliches Trocken- und Nassfutter ist in vielen Fällen hochwertig und sorgfältig ausgewählt, doch der Trend geht klar in Richtung einer neuen Bewegung, dem Barfen. Experten gehen davon aus, dass aktuell etwa 25 Prozent aller Hundehalter in Deutschland barfen. Es handelt sich dabei um „biologisch artgerechtes rohes Futter“, das dem Hund oder der Katze in der Regel als Komplettmahlzeit vorgesetzt wird und auf genauen Berechnungen und Zutatenplänen basiert. Doch was steckt wirklich dahinter und ist ein solches Futter wirklich ausgewogen?
Jedes Tier ist einzigartig
Die Barf-Ernährung wirft einen genauen Blick auf die natürliche Beute eines Wolfes oder einer Wildkatze und versucht sich, so gut wie möglich daran anzulehnen. Deshalb enthalten die Barf-Komplettmahlzeiten in der Regel rohes Fleisch, Innereien, Knochen und pflanzliche Komponenten wie Gemüse und Obst sowie zusätzliche Öle und Mineralstoffe, die dem Vierbeiner besonders guttun. Das Ziel ist, die Versorgung möglichst natürlich zu gestalten und dabei alle lebenswichtigen Nährstoffe in einer kompakten Mahlzeit unterzubringen. Nun ist aber jedes Tier anders.
Ein Chihuahua hat ganz andere Bedürfnisse als ein Rottweiler, mal ganz abgesehen von einer Katze. Deshalb liegt die Herausforderung der Barf-Mahlzeiten darin, die Zusammensetzung des Futters genau auf die Größe des Tiers, sein Alter, das Aktivitätslevel und den allgemeinen Gesundheitszustand abzustimmen. Es handelt sich hierbei also um speziell zugeschnittene Mahlzeiten und nicht um ein einfaches Produkt, das man in der Tierabteilung eines Supermarkts findet.
Einfaches Handhaben, unkomplizierte Aufbewahrung
Nun hat aber kaum jemand ausreichend Platz im Kühlschrank, große Mengen an frischem Fleisch und Innereien unterzubringen, oder die Zeit, Gemüse vorzukochen und Mahlzeiten zuzubereiten. Deshalb sind viele der vorgefertigten Mischungen, die man beim Barfen erhält, tiefgefroren oder gefriergetrocknet. Mit ihnen spart man sich sowohl Zeit als auch Unsicherheit bei der Berechnung und erhält eine gleichbleibende Qualität und Nährstoffdichte, die dem Tier langfristig zugutekommt. Gerade bei Hunden und Katzen, die alters- oder allergiebedingt kein herkömmliches Futter vertragen oder gar unter konkreten Krankheiten leiden, ist die Barf-Komplettmahlzeit eine gute Option, die auch viele Tierärzte befürworten.
Qualitätsmerkmale artgerechten Futters
Natürlich ist nicht jede Komplettmahlzeit tatsächlich vollständig. Wer die Ernährung seines Tiers umstellt und Barf-Mahlzeiten in Erwägung zieht, sollte deshalb genau auf die Inhaltsstoffe achten und im Zweifelsfall beim Händler nachfragen. Zu den typischen Bestandteilen des Futters gehören das Muskelfleisch unterschiedlicher Tiere, Innereien wie Leber, Niere und Herz sowie Knochenmehl oder gemahlene Knochen, Gemüse, Obst und Öle wie Lachsöl oder Leinöl. Auch Mineralstoffe und Vitamine dürfen gern dabei sein, denn sie sind wichtig für essentielle Spurenelemente und das Calcium-Phosphor-Gleichgewicht, das idealerweise bei 1,3 : 1 liegt.
Nicht erwünscht sind Begriffe, die kaum zu verstehen sind, wie zum Beispiel Farbstoffe oder künstliche Zusatzstoffe. Außerdem sollte man als Tierhalter auf die Herkunft und Frische der Rohstoffe achten und die tierartgerechte Rezeptur im Blick behalten. Wer sich unsicher darüber ist, was der vierbeinige Freund tatsächlich braucht, kann auch beim Tierarzt nachfragen und die regelmäßige Gewichtskontrolle und Blutuntersuchung zu Rate ziehen, um etwaige Mangelerscheinungen früh zu erkennen.
Eine Investition in Gesundheit und Wohlbefinden
Barf-Komplettmahlzeiten haben ihren Platz in der modernen Fütterung geliebter Haustiere also durchaus verdient. Mit ihnen sparen Tierhalter Zeit, die sie sonst selbst für die Berechnung der Nährstoffe aufgebracht hätten, und Platz, der beim eigenen Zusammenstellen der Mahlzeiten schnell rar wird. Und trotzdem muss der Hersteller sorgfältig ausgewählt werden, denn „komplett“ heißt nicht automatisch „vollständig“. Wer seinen Hund oder seine Katze langsam an die Umstellung heranführt, schont die Verdauung des Tiers. Und wer bewusst füttert und dabei stets im Gespräch mit dem Tierarzt bleibt, trägt damit entscheidend zum Wohlbefinden des Tieres bei.
