Wer sich intensiv mit der Gesundheit seiner Katze beschäftigt, kommt an einer Frage nicht vorbei: Was gehört eigentlich in den Napf? Die Zeiten, in denen Stubentiger einfach mit Tischresten oder dem erstbesten Dosenfutter aus dem Supermarkt gefüttert wurden, sind längst vorbei. Immer mehr Katzenhalter informieren sich über Nährstoffbedarf, Futterzusammensetzung und artgerechte Ernährung – und stellen dabei fest, dass vieles, was jahrelang als Standard galt, den tatsächlichen Bedürfnissen einer Katze kaum gerecht wird.
Dieser Ratgeber gibt einen Überblick über die wichtigsten Aspekte moderner Katzenernährung, erklärt, worauf es bei der Futterwahl wirklich ankommt, und beleuchtet aktuelle Trends wie die Rohfütterung.
Warum Ernährung bei Katzen so entscheidend ist
Katzen sind sogenannte obligate Karnivoren. Das bedeutet, ihr Körper ist ausschließlich auf die Verwertung tierischer Proteine ausgelegt. Im Gegensatz zu Hunden, die sich als Omnivoren relativ flexibel ernähren können, sind Katzen auf bestimmte Aminosäuren wie Taurin, Arginin und Arachidonsäure angewiesen, die sie ausschließlich über tierische Nahrung aufnehmen können.
Eine mangelhafte Ernährung macht sich bei Katzen oft nicht sofort bemerkbar, kann aber langfristig zu ernsthaften Problemen führen. Dazu gehören:
- Harnsteinbildung durch falsches Mineralstoffverhältnis
- Nierenschwäche, begünstigt durch zu geringe Flüssigkeitsaufnahme
- Fettleibigkeit durch zu hohen Kohlenhydratanteil im Futter
- Stumpfes Fell, Verdauungsprobleme und Allergien durch Zusatzstoffe
- Taurinmangel mit Folgen für Herz und Augen
Gerade der letzte Punkt wird häufig unterschätzt. Taurin ist für Katzen essenziell – ein Mangel kann zu dilatativer Kardiomyopathie und Netzhautdegeneration führen. In rohem Fleisch ist Taurin natürlich enthalten, während es bei industriell verarbeitetem Futter häufig durch Erhitzung zerstört und anschließend künstlich wieder zugesetzt wird.
Trockenfutter, Nassfutter oder doch etwas anderes?
Die klassische Frage lautet: Trockenfutter oder Nassfutter? In Wahrheit greift diese Entweder-oder-Logik zu kurz, denn beide Varianten haben Vor- und Nachteile – und es gibt inzwischen weitere Alternativen, die immer mehr Katzenhalter überzeugen.
| Futterart | Vorteile | Nachteile |
| Trockenfutter | Lange haltbar, praktisch, günstig, gut für Zahnpflege | Sehr geringer Feuchtigkeitsgehalt, oft hoher Getreideanteil, stark verarbeitet |
| Nassfutter | Hoher Wasseranteil, in der Regel mehr Fleisch, besser verdaulich | Schnell verderblich, Qualität variiert stark je nach Hersteller |
| Rohfütterung (BARF) | Artgerecht, naturbelassen, individuell anpassbar, kein Erhitzen nötig | Erfordert Einarbeitung, korrekte Zusammensetzung essenziell |
Ein häufiger Fehler ist die ausschließliche Fütterung von Trockenfutter. Katzen stammen evolutionär von Wüstentieren ab und haben einen vergleichsweise geringen Dursttrieb. Sie nehmen den Großteil ihrer Flüssigkeit über die Nahrung auf. Trockenfutter enthält jedoch nur rund 8–10 Prozent Feuchtigkeit – deutlich zu wenig, um den Flüssigkeitsbedarf einer Katze zu decken. Langfristig kann dies die Nieren belasten und die Entstehung von Harnsteinen begünstigen.
Deklaration lesen: Was wirklich im Katzenfutter steckt
Wer ein hochwertiges Futter erkennen möchte, sollte einen genauen Blick auf die Zusammensetzung werfen. Leider machen es viele Hersteller Verbrauchern nicht leicht: Schwammige Bezeichnungen und intransparente Deklarationen sind weit verbreitet.
Faustregel: Je genauer ein Hersteller die Zusammensetzung deklariert, desto vertrauenswürdiger ist das Produkt. Offene Deklarationen nennen jede Zutat einzeln mit Prozentangabe.
Auf folgende Punkte sollte beim Kauf geachtet werden:
- Fleischanteil: Mindestens 60–70 Prozent, idealerweise mit genauer Angabe der Fleischsorte
- Tierische Nebenerzeugnisse: Können hochwertige Innereien sein – oder minderwertige Schlachtabfälle. Ohne genaue Benennung bleibt das unklar
- Getreide und pflanzliche Nebenerzeugnisse: Katzen können Kohlenhydrate nur schlecht verwerten. Ein hoher Getreideanteil dient in der Regel als günstiger Füllstoff
- Zucker: Kommt in manchen Futtersorten als Karamell oder unter anderem Namen vor und hat im Katzenfutter nichts verloren
- Konservierungsstoffe und künstliche Aromen: Hochwertige Produkte kommen ohne sie aus
Artgerechte Rohfütterung: Ein wachsender Trend
Immer mehr Katzenbesitzer entdecken das sogenannte BARFen für Katzen für sich – eine Abkürzung, die für „Biologisch Artgerechtes Rohes Futter“ steht. Das Prinzip orientiert sich an dem, was eine Katze in der Natur fressen würde: rohes Muskelfleisch, Innereien, Knochen und ein kleiner pflanzlicher Anteil, der den Mageninhalt des Beutetiers simuliert.
Die Idee hinter BARF ist einleuchtend. Das Verdauungssystem einer Katze ist evolutionsbiologisch auf die Verwertung ganzer Beutetiere ausgelegt – von der Maus bis zum kleinen Vogel. Industriell gefertigtes Futter mit hohen Kohlenhydratanteilen und stark erhitzten Zutaten steht diesem natürlichen Bauplan fundamental entgegen.
Zu den am häufigsten genannten Vorteilen der Rohfütterung zählen:
- Verbessertes Fell: Viele Halter berichten von glänzenderem, weicherem Fell nach der Umstellung
- Bessere Verdauung: Weniger Blähungen, festerer Kot, weniger unangenehmer Geruch
- Natürliche Taurinversorgung: Rohes Herzfleisch liefert Taurin, ohne dass es künstlich zugesetzt werden muss
- Gewichtskontrolle: Durch den Wegfall von Füllstoffen und Kohlenhydraten nehmen viele Katzen ab
- Weniger Allergien: Der Verzicht auf künstliche Zusatzstoffe und Getreide kann Futtermittelallergien deutlich reduzieren
| Wichtig bei der Umstellung auf Rohfutter
Eine Umstellung auf BARF sollte schrittweise erfolgen, idealerweise über zwei bis vier Wochen. Katzen sind von Natur aus neophob – sie begegnen unbekanntem Futter oft mit Skepsis. Mischen Sie zunächst kleine Mengen rohes Fleisch unter das bisherige Futter und steigern Sie den Anteil langsam. Bei Katzen mit Vorerkrankungen empfiehlt sich vorab eine Rücksprache mit dem Tierarzt. |
Die richtige Supplementierung: Welche Zusatzstoffe Katzen brauchen
Egal ob BARF, Nassfutter oder Mischfütterung – bestimmte Nährstoffe müssen in ausreichender Menge vorhanden sein. Die folgende Übersicht zeigt, welche Supplemente für Katzen besonders wichtig sind und warum:
- Taurin: Essenziell für Herzfunktion und Sehkraft. Katzen können Taurin nicht selbst synthetisieren und sind auf eine externe Zufuhr angewiesen
- Vitamin A: Anders als Hunde können Katzen Beta-Carotin nicht in Vitamin A umwandeln. Die Versorgung muss über tierische Quellen wie Leber erfolgen
- Arachidonsäure: Eine essenzielle Fettsäure, die ausschließlich in tierischem Gewebe vorkommt
- Calcium und Phosphor: Das Verhältnis sollte bei etwa 1,1:1 bis 1,3:1 liegen. Ein Ungleichgewicht kann zu Knochenproblemen führen
- Omega-3-Fettsäuren: Lachsöl oder Dorschleberöl unterstützen Haut, Fell und Gelenke
Bei einer reinen Rohfütterung ist die korrekte Supplementierung besonders wichtig. Fertige Komplett-BARF-Mahlzeiten nehmen Haltern diese Berechnung ab, da sie bereits alle notwendigen Nährstoffe enthalten.
Flüssigkeitsaufnahme: Das unterschätzte Thema
Wie bereits erwähnt, trinken Katzen von Natur aus wenig. In der Wildnis decken sie ihren Flüssigkeitsbedarf fast vollständig über ihre Beute, die zu über 70 Prozent aus Wasser besteht. Hauskatzen, die vorwiegend Trockenfutter erhalten, nehmen daher häufig zu wenig Flüssigkeit auf.
Es gibt einige Möglichkeiten, die Wasseraufnahme zu fördern:
- Trinkbrunnen aufstellen: Fließendes Wasser animiert viele Katzen zum Trinken
- Mehrere Wasserstellen verteilen: Nicht direkt neben dem Futterplatz, da Katzen instinktiv Wasser und Futter räumlich trennen
- Nassfutter bevorzugen: Futter mit mindestens 70 Prozent Feuchtigkeit unterstützt die Flüssigkeitsversorgung erheblich
- Wasser unter das Futter mischen: Ein simpler Trick, den viele Katzen akzeptieren
Häufige Fehler bei der Katzenernährung
Selbst gut informierte Katzenhalter machen mitunter Fehler, die sich negativ auf die Gesundheit ihrer Tiere auswirken können. Zu den häufigsten Fehlern gehören:
| Milch als Leckerli
Entgegen dem weit verbreiteten Bild der Milch trinkenden Katze vertragen die meisten erwachsenen Katzen keine Laktose. Kuhmilch kann zu Durchfall und Bauchschmerzen führen. Wer seiner Katze Milch geben möchte, sollte auf spezielle laktosefreie Katzenmilch zurückgreifen – und auch diese nur in Maßen. |
| Hundefutter für Katzen
Hunde- und Katzenfutter unterscheidet sich grundlegend in der Zusammensetzung. Hundefutter enthält in der Regel zu wenig Taurin, Protein und tierische Fette für Katzen. Eine regelmäßige Fütterung von Hundefutter kann bei Katzen zu ernsthaften Mangelerscheinungen führen. |
| Einseitige Fütterung
Manche Halter füttern über Jahre hinweg nur eine einzige Sorte. Das kann nicht nur zu Nährstoffdefiziten führen, sondern fördert auch die Entwicklung von Futterunverträglichkeiten. Abwechslung bei den Proteinquellen ist grundsätzlich empfehlenswert. |
Fazit: Bewusst füttern lohnt sich
Die Ernährung einer Katze ist keine Nebensache. Sie beeinflusst die Vitalität, die Lebensqualität und letztlich die Lebensdauer des Tieres maßgeblich. Wer sich die Zeit nimmt, Deklarationen zu lesen, den Wasserhaushalt im Blick behält und bereit ist, sich mit Alternativen wie der Rohfütterung zu beschäftigen, tut seinem Tier einen großen Gefallen.
Es geht nicht darum, jede Mahlzeit perfekt zu gestalten, sondern darum, ein Grundverständnis für die Bedürfnisse des eigenen Tieres zu entwickeln. Katzen sind Gewohnheitstiere, aber sie profitieren enorm vo.n einer durchdachten, abwechslungsreichen und auf ihre Natur abgestimmten Ernährung. Der Napf entscheidet mehr, als viele denken.
